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Unverantwortliche Pyro-Aktion trübt die positiven Reise-Eindrücke

IMG 1035Was wurde im Vorfeld nicht alles geschrieben? Man konnte den Eindruck bekommen, dass man sich in einen Bürgerkrieg stürzen würde, wenn man das Auswärtsspiel des BVB bei PAOK Saloniki besuchen würde. Doch die Warnungen vor Mord und Totschlag in Thessaloniki entpuppten sich als blanke Hysterie. Natürlich, in Trikot, mit Schal und laut grölend hätte man sicher an der einen oder anderen Stelle in der Stadt Probleme bekommen - doch das wäre sicherlich als Schwarzgelber in Buer, Rheydt oder Fröttmaning nicht anders. Uns ist allerdings kein einziger Fall von Übergriffen in den letzten Tagen bekannt. Im Gegenteil!

In ziviler Kleidung konnte man sich in all den Tagen wunderbar durch die Stadt bewegen. Erste Anlaufstation am Mittwochabend war das Stadion von Aris, Kleanthis Vikelidis, wo sich ein fröhliches Miteinander mit den Anhängern von Aris entwickelte.

IMG 1020Am Spieltag selbst war bei einem Spaziergang zum Hafen ebenfalls keine gereizte Stimmung auszumachen und kein Unterschied zu einem vermeintlich „normalen“ Auswärtsspiel auszumachen. Die Sehenswürdigkeit der Stadt, der Weiße Turm, diente am späten Nachmittag schließlich als Anlaufpunkt für alle BVB-Fans. Mit Reisebussen - und nicht in Linienbussen wie etwa in Istanbul oder Turin - ging es recht problemlos direkt vor den Gästeeingang des Paok-Stadions Toumba. Die Kontrollen waren zwar wie erwartet akribisch und wurden mehrfach hintereinander vorgenommen (nach dem fünften Anheben der Mütze schien auch der letzte Ordner zu glauben, dass dort wirklich nichts hereingeschmuggelt wird), doch traten die Ordner dabei in der Breite keineswegs unfreundlich auf, wie es zu befürchten war. 

Etwas überfordert schienen die Verkäufer am „Bierbank-Imbiss“ im Block zu sein, doch nach einigen Anlaufproblemen kam die Sache auch hier ins Rollen. Auch wenn die fertig verpackten Baguettes nun wahrlich nur den Zweck des Überlebens erfüllten und keine Geschmackseuphorie auslösten.

IMG 1031Beeindruckend war die Stimmung auf den Rängen der Gastgeber. Im Ranking der letzten Jahre liefern sich Paok und Napoli objektiv betrachtet ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen. Im Gästeblock gab es nicht den Hauch einer Chance, um akustisch gegen die Griechen anzukommen. Allerdings war die Stimmung im schwarzgelben Bereich unterm Strich nicht einmal Euro-League-würdig. Die überragende Atmosphäre von den Paok-Rängen verflachte nach dem Anstoß jedoch ebenfalls zusehends. Nichtsdestotrotz wäre es ein Traum, wenn auch in Dortmund einmal das ganze Stadion aufstehen und bei dem einen oder anderen Gesang mitmachen würde, wie dies in Saloniki die Paok-Fans vormachten.

IMG 1032Einen Bärendienst erwiesen dann jedoch einige schwarzgelbe Fans zu Beginn der zweiten Halbzeit all jenen, die sich für den kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik in den Stadien einsetzen. Was zunächst noch den Anschein einer kontrollierten Bengalo- und Rauch-Show erweckte, verwandelte sich schnell in eine sinnlose Provokation von Polizei und Ordnern. Denn leider schien die Pyro in Saloniki ausschließlich als Waffe zu dienen, wurden die Fackeln doch umgehend in Richtung der Sanitäter vor, der Polizisten im Block sowie den Paok-Anhängern nebenan geschleudert. Es kam, wie es kommen musste: Die Polizei sah sich zum Einschreiten gezwungen, was wiederum eine panikartige Flucht der BVB-Fans in den oberen Bereich des Blocks zu Folge hatte, in dem es fortan sehr ungemütlich eng wurde.

Nicht nur, dass das bloße Werfen von Pyrotechnik in Menschengruppen völlig unverantwortlich und verachtenswert ist, auch die Konsequenz hätte für die knapp über 1.000 Borussen böse ausfallen können. Wer erinnert sich nicht an die Bilder der prügelnden Polizisten vor ein paar Wochen in Piräus? Doch glücklicherweise reagierten die Cops in Saloniki besonnener als ihre Kollegen in Piräus, sodass die Aktion im Block relativ schnell erledigt war. Einige Personen wurden verhaftet und aus dem Block geführt. Die Stimmung war in der Folge erst recht im Eimer, ein organisierter Support fand nicht mehr statt, woran auch der Ausgleich zum 1:1 nichts ändern konnte.

IMG 1037Nicht verschweigen darf man an dieser Stelle die miese Funktion, die einige „Ordner“ im Gästeblock spielten. Denn schnell verschwand die eine oder andere BVB-Fahne und tauchte wenig später in der Heimkurve als Trophäe wieder auf. Darauf sollte die Uefa in ihrer Sanktionierung auch ein Auge haben.

Die Blocksperre nach dem Spiel dauerte knapp über eine Stunde. In dieser Zeit fühlten sich zahlreiche Paok-Fans zu einem Platzsturm in Richtung des Gästeblocks bemüßigt, wurden jedoch schnell von Ordnern und Cops wieder in ihre Kurve zurückgetrieben. Die restliche Zeit während der Blocksperre verbrachten einige lächerliche Paok-Gestalten im leeren Stadion damit, irgendwelche unverständlichen Pöbeleien Richtung Auswärtsblock abzusondern.

IMG 1039Der Abtransport wahlweise zum Flughafen oder zurück zum Weißen Turm verlief beim Einstieg in die Busse zwar extrem chaotisch, doch nach geraumer Zeit hatte endlich jeder einen Platz in einem Bus zum persönlichen Ziel ergattert. Zwar flog während der Fahrt noch ein Bierglas an die Scheibe eines Busses, doch das kann einem im Pfälzer Hinterland von einem besoffenen Landwirt ebenso passieren, sodass auch die Rückfahrt insgesamt absolut sicher vonstattenging.

Alles in allem war es also abseits des Platzes ein sehr interessanter Ausflug in eine völlig fußballverrückte Stadt, der jedoch durch die Vorkommnisse im Block mitsamt den noch unabsehbaren Folgen einen mehr als bitteren Beigeschmack erhalten hat. Wichtig ist jetzt insbesondere auch die interne Aufarbeitung dieser Vorfälle und entsprechende Konsequenzen, dass sich solche Szenen nicht wiederholen (warum sind wir nach dem Derby 2013 eigentlich schon wieder an genau diesem Punkt?). Denn hier schaden einige Personen dem Ansehen des gesamten Vereins sehr massiv und bringen - selbstverständlich neben den Zielen ihrer Angriffe - auch die gesamte eigene Borussen-Familie im Block in Gefahr. (DM)

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